Ein systemischer Blick auf Herkunft, Nutzen und Missverständnisse rund um das Ikigai-Konzept

Wenn wir mit Menschen über Sinn sprechen – im Coaching, in der Beratung oder auch in Führungskräfte-Workshops – fällt oft ein Begriff: Ikigai. Viele kennen die bunte Grafik mit den vier Kreisen: Was du liebst, Worin du gut bist, Womit du Geld verdienen kannst und Was die Welt braucht. In der Mitte: dein Ikigai.
Das Modell hat seinen Weg in viele Bücher, Workshops und LinkedIn-Posts gefunden. Es ist klar, visuell eingängig, motivierend – und doch: es ist nicht Ikigai. Zumindest nicht im ursprünglichen, japanischen Sinne.
Ikigai – ursprünglich ganz anders gedacht
In Japan bedeutet Ikigai so viel wie „das, wofür es sich zu leben lohnt“. Es ist kein Ziel, das man erreichen muss. Kein Beruf, keine Berufung – sondern ein oft stilles, inneres Gefühl von Sinn im Alltag.
Für viele Japaner kann Ikigai etwas ganz Persönliches sein: die tägliche Tasse Tee am Morgen, die Pflege eines Bonsai-Baums, das Lächeln eines Enkels, ein Gespräch mit dem Nachbarn. Es ist eng verbunden mit Demut, Beziehung, Kontinuität und Gegenwärtigkeit.
Dieses Verständnis wurde unter anderem von Dr. Shintaro Kono (Ikigai-Forscher) und Ken Mogi (Autor von The Little Book of Ikigai) in der Tiefe beschrieben. Auch Héctor García und Francesc Miralles, die das Buch Ikigai – The Japanese Secret to a Long and Happy Life geschrieben haben, betonen in ihren Interviews immer wieder, dass das westliche Verständnis ein stark vereinfachtes Bild darstellt.
Woher stammt das Venn-Diagramm?
Das heute so populäre Ikigai-Diagramm stammt nicht aus Japan, sondern wurde 2014 vom spanischen Autor Marc Winn populär gemacht. Er überlagerte ein bereits existierendes 4-Kreise-Venn-Diagramm, das ursprünglich vom Berater Andrés Zuzunaga zur Darstellung beruflicher Erfüllung entwickelt wurde, mit dem Begriff Ikigai in der Mitte.
Die Absicht war gut: Menschen dabei zu helfen, ihren beruflichen Weg sinnerfüllt zu gestalten. Doch das Ergebnis ist eine westlich geprägte Konstruktion, die mit dem ursprünglichen Ikigai nur noch wenig zu tun hat.
Eine Gegenüberstellung
| Aspekt | Japanisches Ikigai | Westliches Ikigai-Modell (Venn-Diagramm) |
|---|---|---|
| Ursprung | Philosophisch, kulturell in Japan verankert | Westliche Interpretation (Marc Winn, basierend auf Zuzunaga) |
| Fokus | Alltagsfreude, Daseinssinn, Beziehungen | Berufung, Karriere, Selbstverwirklichung |
| Zeitlicher Rahmen | Gegenwärtig, langfristig gewachsen | Zielorientiert, zukunftsgerichtet |
| Verbindung zum Beruf | Möglich, aber nicht notwendig | Meist im Zentrum |
| Ziel oder Zustand? | Zustand (ein Gefühl) | Ziel (eine konkrete Mitte im Diagramm) |
| Rolle im Leben | Teil eines erfüllten Lebens | Werkzeug zur Lebens- und Karriereplanung |
Warum wir bei Kurikku beides nutzen
Bei Kurikku glauben wir, dass beides seinen Platz hat. Das westliche Ikigai-Modell hilft Menschen, Komplexität zu sortieren. Es schafft Struktur in Übergängen, gibt Orientierung – und kann ein wertvoller Ausgangspunkt für tiefergehende Reflexion sein.
Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass Sinn nicht immer strategisch entstehen muss. Manchmal ist er einfach da – in einer Verbindung, einer Handlung, einer Haltung.
Deshalb arbeiten wir bei Kurikku mit beidem: Mit klaren Tools, wenn sie gebraucht werden. Und mit dem systemischen Blick, der auch das Unplanbare und Unaussprechliche einlädt. Nicht jeder Sinn muss einen Return on Investment haben.
Fazit
Ikigai ist nicht nur ein Kreuzungspunkt. Es ist eine Haltung zum Leben. Wer das westliche Modell nutzt, sollte sich dessen bewusst sein – und offen dafür bleiben, dass echter Sinn manchmal dort entsteht, wo wir ihn gar nicht suchen.
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